Agoraphobie oder Platzangst

Was man darunter versteht und wie man sie überwinden kann

Agoraphobie oder Platzangst, wie es umgangssprachlich oft genannt wird, ist eine Angststörung, die extrem belastend ist, da sie den eigenen Freiheitsradius immer weiter einengt. Wenn die Angst zusammen mit Panikattacken auftritt, spricht man von einer Agoraphobie mit Panikstörung.

Was ist eine Agoraphobie?

Wenn man unter einer Agoraphobie leidet, fürchtet man sich stark vor Situationen, die im Notfall nicht sofort verlassen werden können oder in denen nicht sofort Hilfe verfügbar ist. Die Vorstellung, in der Öffentlichkeit umzukippen und dann hilflos dazuliegen, oder im Falle von Schwindel und Übelkeit nicht schnell genug in eine sichere und vertraute Umgebung zu gelangen, erzeugt große Angst. Körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwindel, Übelkeit und/oder Zittern gehen mit der Angst einher und können sich bis zur Panikattacke steigern.

 

Typische Angstsituationen sind zum Beispiel:

  • Kaufhäuser
  • Menschenmengen
  • Warteschlangen
  • Kinos oder Konzertsäle
  • Öffentliche Verkehrsmittel (Zug, Bus, Bahn, Flugzeug, U-Bahn)
  • Reisen allein oder mit weiter Entfernung von zu Hause

 

Als Betroffener fürchtet man, dass man die Situation bei einer plötzlichen Panikattacke nicht sofort verlassen kann und ihr hilflos ausgeliefert ist. Um dieser Angst aus dem Weg zu gehen, werden immer mehr dieser Situationen gemieden oder nur noch in sicherer Begleitung aufgesucht. 

 

Durch das Sicherheits- und Vermeidungsverhalten breitet sich die Angst jedoch mit der Zeit immer weiter aus. Dadurch wird der eigene Freiheitsradius immer enger. Das kann so weit gehen, dass man sich allein nicht mehr traut, die Wohnung zu verlassen.

 

Nicht selten entwickelt sich auch eine Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln. Auch andere psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen, können hinzukommen. 

Wie entwickelt sich eine Agoraphobie?

Eine Agoraphobie entwickelt sich meistens im jungen Erwachsenenalter (zwischen 20 und 30 Jahren), wobei Frauen wesentlich häufiger betroffen sind als Männer. 

 

In einigen Fällen geht der Agoraphobie eine Panikattacke voraus, die durch Dauerstress, anhaltende Überforderung oder ein belastendes Ereignis (z.B. Trauerfall, Trennung) ausgelöst wurde. Dieses „traumatische“ Erlebnis kann einen in den eigenen Grundfesten so sehr erschüttern, dass man das Vertrauen in den eigenen Körper verliert und große Angst vor einem weiteren Panikanfall bekommt. 

Wie kann man eine Agoraphobie behandeln?

Unbehandelt kann eine Agoraphobie chronisch werden. Deshalb ist eine frühzeitige Behandlung sehr wichtig. Die Therapie, die am meisten angewendet und verordnet wird, ist die Kognitive Verhaltenstherapie. Manchmal ist auch eine medikamentöse Therapie als Begleitung sinnvoll.  

 

In der Kognitiven Verhaltenstherapie lernen Sie,

  • Ihre Katastrophenfantasien selbst zu hinterfragen und zu relativieren,
  • Ihre Angstsymptome durch Entspannungsmethoden zu managen und so das eigene Kontrollerleben wieder zu stärken,
  • Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten mehr und mehr aufzugeben, in dem Sie sich den angstbesetzten Situationen stellen,
  • Ihre Angst vor Kontrollverlust immer weiter abzubauen und somit Ihren Aktionsradius wieder Schritt für Schritt zu erweitern.

Was kann ich selbst bei Agoraphobie tun?

Die folgenden zwei Tipps können Ihnen dabei helfen, Ihre Angst schrittweise, selbstwirksam und nachhaltig abzubauen:

Tipp 1: Unterbrechen Sie das Angstmuster sofort mit einer Entspannungsmethode

Wahrscheinlich tritt die Angst schon auf, sobald Sie nur an eine Ihrer gefürchteten Situationen denken. Sobald Sie in Ihrem Alltag die ersten Anzeichen von Angst bemerken, wenden Sie eine Entspannungsmethode an, wie die Progressive Muskelentspannung oder die Mini Entspannung. Machen Sie die Entspannungsübung so lange, bis die Angst deutlich nachgelassen hat. Wenn Sie das regelmäßig tun, werden Sie ihr Angstmuster immer weiter abbauen und stattdessen lernen, wieder entspannter und gelassener in der Situation zu sein. 

Tipp 2: Hinterfragen Sie Ihre Katastrophenfantasien mit 3 Fragen

Setzen Sie sich zuhause an einen ruhigen Ort und stellen Sie sich eine Ihrer typischen Angstsituationen vor. Schreiben Sie alle Katastrophengedanken auf, die Ihnen durch den Kopf gehen. Wählen Sie dann den belastendsten Gedanken aus und nehmen ihn mithilfe der folgenden 3 Fragen unter die Lupe:

  1. Ist der Gedanke wirklich wahr? Können Sie sich zu 100 % sicher sein? 
  2. Hilft Ihnen der Gedanke, sich so zu fühlen und zu verhalten, wie Sie das möchten?
  3. Was müssten Sie denken, um sich so zu fühlen und zu verhalten, wie Sie das möchten?

Beantworten Sie sich diese Fragen schriftlich, sodass Sie Ihre Antworten besser verinnerlichen und im akuten Fall leicht abrufen können. Das kann wie im folgenden Beispiel aussehen:

Beispiel: Hinterfragen und Auflösen einer angstmachenden Situation

Die Situation ist: Schlange stehen im Supermarkt

Der belastendste Gedanke lautetet: „Mir wird schwindelig, bestimmt kippe ich gleich um.“

  1. Frage: „Ist der Gedanke Mir wird schwindelig, bestimmt kippe ich gleich um. wirklich wahr? Kann ich mir 100%ig sicher sein, dass das stimmt?
    Mögliche Antwort: „Eigentlich weiß ich gar nicht sicher, ob ich umkippen werde. Bisher bin ich noch nie im Supermarkt umgekippt. Mir war zwar schon öfters schwindelig, aber umgekippt bin ich noch nie. Es könnte theoretisch passieren, aber ich kann mir nicht 100%ig sicher sein.“
  2. Frage: „Hilft mir der Gedanke Mir wird schwindelig, bestimmt kippe ich gleich um, mich so zu fühlen und zu verhalten, wie ich das möchte?
    Mögliche Antwort: „Nein, dadurch bekomme ich nur noch mehr Angst und ich möchte den Laden am liebsten schnellstmöglich wieder verlassen.“
  3. Frage: „Was müsste ich denken, um mich so zu fühlen und zu verhalten, wie ich das möchte?
    Mögliche Antwort: „Ich merke, wie mir gerade etwas schwindelig wird, aber das ist nicht weiter schlimm. Das ist nur mein altes Programm. Ich kann die Situation bewältigen. Nichts Schlimmes wird passieren. Ich konzentriere mich jetzt auf meinen Atem und dann werde ich wieder ruhiger werden.“

Sagen Sie sich diese neuen, hilfreichen Gedanken immer wieder mehrmals hintereinander, sobald sich der belastende Gedanke wieder einschleicht. Er wird es am Anfang immer wieder versuchen, Sie in Ihrem alten Programm festzuhalten. Aber je öfter Sie ihn dabei ertappen, umso seltener wird er auftauchen. 

 

Ich wünsche Ihnen viel Kraft, Zuversicht und Durchhaltevermögen auf diesem Weg. Wenn Sie merken, dass Ihre Angst zu groß ist und Sie alleine nicht weiterkommen, suchen Sie sich Unterstützung! 


Mit professioneller Begleitung geht alles leichter

Ich habe mich in meiner Praxis auf die Behandlung von Angststörungen spezialisiert. Kontaktieren Sie mich gerne für ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keinen ärztlichen Rat oder eine therapeutische Begleitung.