Soziale Phobie

Die Angst, sich vor anderen zu blamieren

Die soziale Phobie ist eine sehr weit verbreite Angststörung. Wenn Sie davon betroffen sind, sind Sie in ständiger Angst, sich vor anderen zu blamieren, kritisiert oder abgelehnt zu werden. In Gesellschaft sind Sie vielleicht sehr angespannt und fühlen sich permanent unter Beobachtung. Die übermäßige Angst davor, sich ungeschickt zu verhalten und von den anderen als Versager angesehen zu werden, kann sämtliche Beziehungen – privat wie beruflich – und somit alle Lebensbereiche belasten.

Woran erkennt man eine soziale Phobie?

Die folgenden Punkte können Anzeichen für eine soziale Phobie sein. Eine fundierte Abklärung und Beratung sollte jedoch ein Arzt oder Therapeut vornehmen. Typisch für eine soziale Phobie ist folgende Symptomatik:

  • Im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen macht Ihnen große Angst. 
  • Sie fürchten sich andauernd davor, sich in Gesellschaft peinlich und ungeschickt zu verhalten.
  • Die starke Angst davor, von anderen kritisiert und abgelehnt zu werden, bestimmt Ihren Alltag.

Und natürlich gehört auch die Vermeidung von Situationen, in denen Sie im Mittelpunkt stehen dazu. Situationen, die Sie mit Blamage assoziieren, wie z.B.:

  • eine Rede halten
  • Partys
  • Blickkontakt halten
  • Essen in der Öffentlichkeit
  • eine fremde Person ansprechen
  • Begegnung von Bekannten in der Öffentlichkeit usw.

 

Zudem wird die Angst von körperliche Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Erröten, Harndrang, Übelkeit usw. begleitet.

Diese körperlichen Anzeichen lösen wiederum Angst und Schamgefühle aus. Man befürchtet, andere könnten das eigene Zittern oder Erröten bemerken und man würde dafür als unsicher oder inkompetent angesehen werden. 

Um dieser Angst aus dem Weg zu gehen, wird oft versucht, jegliche Situationen, die mit Blamage und Abwertung in Verbindung gebracht werden, zu vermeiden. Wenn dies nicht möglich ist, gibt es scheinbar kein Entrinnen vor der Angst, die sich bis hin zur Panikattacke steigern können.

Wie entwickelt sich eine soziale Phobie?

Soziale Ängste entwickeln sich meist in der Pubertät (vor dem 16. Lebensjahr) und tendieren zu einem chronischen Verlauf. Bis zum Beginn einer Behandlung vergehen häufig viele Jahre, weshalb viele Betroffene nicht selten schon einen langen Leidensweg hinter sich haben. 

 

Für die Entwicklung einer sozialen Phobie gib es nicht die eine Ursache. Vielmehr entwickelt sie sich durch ein Zusammenspiel mehrere Faktoren wie zum Beispiel:

  • Sie sind von Natur aus ein schüchterner Persönlichkeitstyp.
  • Ihre Erziehung in der Kindheit war streng, rigide und wenig einfühlsam
    (nichts, was Sie taten, war richtig oder gut genug).
  • Ihre Eltern verhielten sich überbehütend
    (dann wird das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht oder zu schwach ausgebildet).
  • Es gab Erfahrungen von „traumatischen“ sozialen Ereignissen in Ihrer Vergangenheit
    (z.B. in der Schule vom Lehrer vor den Mitschülern bloßgestellt zu werden).

 

Diese negativen Erfahrungen können prägend sein und führen dazu, dass man eine verzerrte Grundüberzeugungen über sich selbst und andere Menschen entwickelt, wie zum Beispiel:

  • „Ich bin minderwertig / nicht liebenswert / unattraktiv / inkompetent.“
  • „Andere sind viel besser als ich.“
  • „Mit mir stimmt etwas nicht.“ 

 

Solch ein negativ verzerrtes Selbstkonzept ist nun wie eine Brille, durch die man sich selbst und die Welt wahrnimmt. Man interpretiert Ereignisse im Alltag dann meist vollkommen unbewusst im Sinne der negativen Sicht von sich selbst, wodurch die soziale Phobie weiter aufrecht erhalten wird. 

 

Ein weiterer Faktor, der soziale Ängste am Leben hält, ist die ständige und intensive Selbstbeobachtung. Dadurch, dass Sie Ihr eigenes Verhalten permanent auf mögliche Ungeschicklichkeiten und Fehler scannen, bestätigen Sie sich in Ihrer negativen Sicht von sich selbst immer wieder. 

 

Auch sogenanntes Sicherheitsverhalten, das in sozialen Situationen vor Kritik und Blamage schützen soll, hält die Angst leider langfristig aufrecht. Beispielsweise versuchen viele ihr Erröten unter einer Schicht Makeup oder hinter langen Haaren zu verbergen. Andere überlegen sich vor dem Sprechen ganz genau die Sätze, die sie sagen wollen, um ja nicht ins Stocken zu geraten. Durch diese Versuche, der Angst auszuweichen, zementiert den Status Quo Ihrer Angststörung. Sie nehmen sich die Chance, die Erfahrung zu machen, dass Sie diese Situationen (eventuell mit Unterstützung) durchaus aushalten können und das  Ihre befürchteten Katastrophen gar nicht eintreten. 

Welche Therapie hilft bei sozialen Ängsten?

Als besonders wirksames Therapieverfahren bei sozialer Phobie gilt die Kognitive Verhaltenstherapie.

Hier lernen Sie unter anderem,

  • Ihre verzerrten Grundannahmen über sich selbst zu korrigieren,
  • Interpretationen und Reaktionen der Umwelt realistischer einzuschätzen,
  • Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten aufzugeben,
  • durch regelmäßige Entspannung das Anspannungsniveau in sozialen Situationen zu senken,
  • Ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

5 hilfreiche Tipps bei sozialen Ängsten

Wenn Sie unter sozialen Ängsten leiden können Ihnen die folgenden Tipps helfen:

 

  1. Akzeptieren Sie Ihre Angst für den Moment.
    Nehmen Sie die körperlichen Symptome wie Zittern, Stottern, Schwitzen usw. war ohne sie zu bewerten. Je mehr Sie versuchen, sich diese zu verbieten, umso stärker werden sie. Wahrscheinlich nehmen Sie selbst diese Symptome auch viel stärker wahr, als es Ihr Umfeld tut.
  2. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ihr Ziel.
    Um was geht es in der aktuellen Situation? Was möchten Sie erreichen? Was könnte ein nächster Schritt sein? Machen Sie einfach weiter und lassen Sie sich nicht von Ihren körperlichen Symptomen abhalten. 
  3. Führen Sie positive innere Selbstgespräche.
    Denn Ihre Gedanken bestimmen, wie Sie sich fühlen und wie Sie sich verhalten. Welche Worte würden Sie gerade unterstützen? Was würde eine gute Freundin / ein guter Freund Ihnen in dieser Situation sagen?
    Das könnte zum Beispiel so aussehen:
    „Ich darf Fehler machen / zittern / rot werden. Das ist ok und ändert nichts an meinem Wert als Mensch. Ich konzentriere mich jetzt auf die Aufgabe und beginne mit einem ersten Schritt. Ich kann das bewältigen. Ich bin liebenswert, so wie ich bin.“
    Wiederholen Sie mehrmals innerlich Ihre stärkenden Worte.
  4. Suchen Sie bewusst Angstsituationen auf und gehen Sie ein Risiko ein.
    So können Sie die Erfahrung machen, dass Sie diese Situationen bewältigen können. Es ist vor allem am Anfang unangenehm, aber es wird durch regelmäßiges Üben immer leichter werden. Übung macht den Meister!
  5. Setzen Sie eine Entspannungstechnik ein.
    Entspannen Sie sich zum Beispiel mit der Mini-Entspannung, bevor Sie in eine gefürchtete Situation gehen. So können Sie Ihre Angst verringern. Auch in der Situation können Sie sich immer wieder bewusst auf Ihren Atem konzentrieren.

 
Die eigenen Ängste zu überwinden ist kein leichter Weg. Wenn Sie merken, dass Ihre Angst zu groß ist und Sie alleine nicht weiter kommen, suchen Sie sich Unterstützung!


Mit professioneller Begleitung geht alles leichter

Ich habe mich in meiner Praxis auf die Behandlung von Angststörungen spezialisiert. Kontaktieren Sie mich gerne für ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch.

 

 

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keinen ärztlichen Rat oder eine therapeutische Begleitung.